Mailänder Tagebuch #5

Letzter Tag und ein zweites und Mal auf der EXPO in Mailand. Ursprünglich geplant war ein Expertneninterview mit VertreterInnen des Amt für Arbeit und Sozialpolitiken. Anstatt eines Interviews bekam ich die Einladung zu einem Konvent mit dem Namen „Italienische Integrationsrezepte“ – organisiert von der für Integrationspolitiken zuständige Abteilung. Nach den üblichen sicherheitstechnischen Kontrollen am Eingang, einer Flucht ans Ende des Areals – hin zur Piazza della Biodiversità; dem wohl einzigen Pavillon der sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Ernährungssicherheit. Ich nehme zwischen einer italienischen Journalistin und zweier phillipinischer Italienerinnen aus Mailand Platz. Im Saal hat es den Anschein Menschen aller in Mailand anwesenden Minderheiten seien anwesend. Als die Veranstaltung dann offiziell beginnt wird schnell klar wie Diversity in Italien aussieht. Das erste Podium ist ausschließlich weiß, im zweiten, sehr kurzem Podium, stellt ein teilweise überheblich anmutender Journalist 5 jungen Unternehmern mit Migrationshintergrund fragen zu deren Alltag. Die Strukturen sind deutlich, die Rollen alle verteilt. Die Frage der Diskussionsrunde ist eigentlich weniger der Mehrwert italienischen Küche für die Integration, sondern vor Allem die Glorifizierung italienischer Küche gepaart mit neuen Chancen für den Export. „Verkauf unsere Küche in die Welt oder koch uns was gutes aus deiner Heimat“ lautet die Ansage. So einfach ist das mit der Integration in Italien! Dass Integration auch, aber bei weitem nicht nur über Küche funktioniert, wird von den jungen UnternehmerInnen zwar angesprochen – es bleibt aber keine Zeit darauf einzugehen. Wir hatten zuvor recht ausgiebig verschiedene Teller des Guiltero Maltesi diskutiert.

Französischer Pavillion EXPO, 2015. Photo: Michael Anranter

Französischer Pavillion EXPO, 2015. Photo: Michael Anranter

Zur EXPO selbst: EXPO und Kultur in einen Satz, in einen Text zu bringen ist eigentlich ein Unding. Noch nie habe ich so viele Vorurteile, so viele Vereinfachungen auf einem Fleck versammelt gesehen. Mexiko wirbt mit Tänzen der Mayakultur, die Deutschen feiern ein Bierfest im Dirndl, im Reispavillion werden Flyer Buddhas ausgestellt. Fazit: Völlige Themenverfehlung – eigentlich bin ich bei größten Reiseagentur für den profanen Massentourismus gelandet. Einige wenige Außnahmen bestätigen die Regel – Ganz am Ende des EXPO Geländes befinden sich das Areal der SlowFood Italy – Wohl der einzige Pavillion der sich umfassend mit Ernährungssicherheit im 21. Jahrhundert und darüber hinaus beschäftigt.

Damit verabschiede ich mich wieder aus Mailand. Es waren gute zehn Tage an denen ich vieles neu entdecken durfte. Es ist überraschend wie bereichernd ein Szenenwechsel mit thematischem Schwerpunkt sein kann.

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