Mailänder Tagebuch #3

Zwischen gutem Essen und Interviews hat Mailand auch anderes zu bieten – und NEIN, ich spreche nicht vom Dom! Natürlich stehen Dom, Galerie und Scala noch immer im Zentrum der 5 Millionen Metropole. Beinahe logisch sind für eben diesen Zonen weiterhin die Thesen des omnipräsenten Laufstegs. Glücklicher Weiße war ich Im Rahmen meiner Aktivitäten schon vor dem Wochenende bereits das ein oder andere Mal, mit dem alternativen Mailand in Berührung gekommen.

Zwei Orte der Stadt möchte ich kurz vorstellen. Fotos gibt es nicht; nur so seit ihr genötigt selbst hin zu fahren.

No Photos Today, 2015. Photo: Michael Anranter

No Photos Today, 2015. Photo: Michael Anranter

Zwischen dem Gleisbett der Staatsbahnen mit Ziel Milano Centrale FS und Viale Monza liegt der dem Zentrum am nächsten gelegene Problembezirk. Hier tümmeln sich Säufer und Drogenabhängige schon unter Tags. Entlang der Hauptstraßen wechseln sich Chinesen, Südamerikaner und Marokkaner ab. Auf den Straßen des Viertels sind Menschen unterwegs, der Thai SPA um die Ecke hat 24/24 und 7/7 offen, eine kleine Gruppe Männer hat einen Kühlschrank zum Trommeln zweckentfremdet – die Qualität von Musik und Gesang ist überraschend gut. Ein mehrfacher Algerier zweifelt lautstark die Existenz Amerikas an, wird aber nicht müde, mich um meine Einschätzung zu bitten. Zwei Ecken weiter ist die Straße für dieses Wochenende gesperrt. Die Salumeria del Design wird hier bis spät abends einen Trödlermarkt veranstalten. Eine kleine quirlige Yoga-Lehrerin dreht ihre Runden und drückt allen einen Flyer mit den Terminen für die nächste Session im nahe gelegenen Parco Trotter in die Hand. Sie sagt, es sei der schönste Park Mailands.

Am Sonntag wollten wir Bootfahren. Wie in Amsterdam, Hamburg oder Venedig – in Barkassen durch die Stadt. Wir haben uns dagegen entschieden; Kanalsystem und Stadtviertel haben dennoch ihre Spuren in unserer Einschätzung und Wahrnehmung von Mailand hinterlassen. Hier sind die Häuser nur mehr drei, maximalst vier Stockwerke hoch. An Stelle von Straßen trennen breit angelegte Kanäle die rechte von der linken Straßenseite. Unzählige Bars reihen sich aneinander: Vegan, hip, smooth – alles lässig in dem Viertel; plötzlich wird dieses Mailand doch noch so richtig nahbar. Plötzlich sind die Räume da, die ich erwartet und gesucht hatte. Füße hoch, zwei 0,5 Bier bitte und dem Trubel zuschauen. Klar, 6 Euro bleiben ein mächtiger Preis für einen halben Liter Bier – das Essen sieht ganz wunderbar aus, für jeden ist hier etwas dabei. Entlang der Navigli, dem beeindruckendem Kanalsystem das Mailand an die nord-italienischen Seen und Flüsse angebindet hat sich eine Szene entwickelt die dabei hilft einen Anschluss zu finden. Das Mailand des Domplatzes, der Galeria und Scala rückt hier in den Hintergrund und erleichtert den Anschluss. Hier scheint alles ein bisschen normaler – nur ein Laufsteg wird die Stadt wohl bleiben. Jetzt aber im positiven Sinne.

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