Leipzig: Alles anders.

Ein kurzes Sommerwochenende nutzte ich, gemeinsam mit zwei Freunden (Thomas Stollenwerk, Biorama und Felix Theile,  freischaffender Künstler), um Leipzig an der eigenen Haut zu erleben. Keiner von uns war zuvor jemals länger als 20 Minuten in dieser Perle des ehemaligen deutschen Osten gewesen. Alle drei erwarteten wir uns viel und wurden nicht enttäuscht. Wie immer finden sich in Print und Online Medien zahlreiche Berichte über die Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten der Freistadt. Daher möchte ich an dieser Stelle auf einen einzigen Punkt hinweisen, in dem die Stadt so viel besser ist als viele andere: Das Miteinander der knapp 600.000 EinwohnerInnen.

Es scheint als wirke sich das Überangebot an Raum auf die Gepflogenheiten der Menschen auswirkt. In Leipzig gibt es trotz stetig steigender EinwohnerInnenzahl nicht zu wenig Platz; sondern zu wenig Menschen um diesen ausfüllen – ein Vergleich mit Amerikas Automobil-Hauptstadt Detroit liegt da nicht fern. Während einige den Verfall ganzer Straßenzüge, die geringe Dichte des Nahversorgungsnetzes am Stadtrand und andere scheinbar negativen Aspekte anzukreiden versuchen muss angemerkt werden, dass die BewohnerInnen dieser zu großen Stadt auf den Verzicht einer kultur- und sozialräumlichen Trennung aufbauen.

Leipzig, irgendwo. Photo: Michael Anranter

Leipzig, irgendwo. Photo: Michael Anranter

Konkret sieht das so aus: Ein Festival für junge Menschen – organisiert von einzelnen Gruppen führt zu einem Massenansturm an FahrradfahrerInnen aus allen Ecken der Stadt. Kaum jemand scheint zu Fuß zu gehen. Aber das wirklich erstaunliche ist, dass sich die einzelnen subkulturellen Gruppen stets vermischen. Egal wo, egal zu welcher Uhrzeit fällt auf, dass Leipziger scheinbar gemeinsam alles sind: Hip-Hopper, Intellektuelle, Metal-Heads, Hipster, Arbeiter und Hippies an der selben Theke: Eigentlich undenkbar.

Die Diversität der Stadt ist nicht höher als in anderen Städten, fällt aber durch ihre Omnipräsenz auf. An den unterschiedlichsten Orten, sind stets Mitglieder verschiedenster Gruppen präsent und prägen den Alltag. Sie Leben einen Austausch der heute beinahe unmöglich scheint. Vor Allem in den größeren Städten gibt es kaum noch Orte und Veranstaltungen an denen man Mitglieder anderer subkulturellen Gruppen trifft; der Einheitsbrei ist bestimmendes Element beinahe aller Events, ausgewählt und gefiltert von Facebook und Co. Das ist ein Unterschied den ich selbst – und auch meine Weggefährten – aus der eigenen Heimat oder anderen von uns bereits besuchten Städten nie, oder nur selten in solch einer Ausprägung erlebt haben: Wunderschön!

Allesamt vertraut mit Wohnortswechseln fernab der Heimat, stellten wir uns während unseres Aufenthalts in Leipzig immer wieder die Frage ob es sich hier denn wirklich leben ließe. Der Boom als neuer Hotspot Deutschlands scheint zwar abgeflacht zu sein, dennoch locken weiterhin niedere Mieten, Freiräume und eine kräftige Portion Chaos immer mehr junge Menschen aus dem nahen und fernen Umland an. Selbstverständlich, lässt sich die Frage nach der Attraktivität nicht eindeutig beantworten, sondern ist geprägt von individuellen Erfahrungen und Bedürfnissen. Dazu kommt eine gehörige Portion Spontanität – das aber würde wieder zu Leipzigs buntem Haufen passen.

Ein paar visuelle Eindrücke aus Leipzigs gibt’s hier.

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