Wenn Bozen ein Einkaufszentrum will…

Seit geraumer Zeit diskutieren die Bewohner und Bewohnerinnen der Alpenstadt über ein urbanes Restrukturierungsprojekt: der Tiroler Großinvestor Rene Benko hatte angekündigt sich dem vernachlässigtem Areal rund um den Bozner Bahnhof anzunehmen. Ein großflächiges innerstädtisches Kaufhaus, Büro- und Wohnflächen, sowie ein Hotel sollten in dem Areal zwischen Bahnhof und Stadtzentrum entstehen. Beeindruckend ist das Mobilitätskonzept das mit der Verlegung des Busbahnhofes in den Untergrund, einer Verkehrsberuhigung der Bahnhofsallee und der Entschärfung des Nadelöhrs zwischen Verdiplatz und Bahnhof auftrumpft. Wer bei Regenwetter auch nur eine der drei angesprochenen Eckpunkte mit Auto oder Bus passieren musste weiß, dass ein effizientes, ganzheitliches Verkehrskonzept bis heute fehlt. Als Schmankerl sollte zudem der Virgl, einst Hausberg der Bozner und beliebtes Naherholungsgebiet, aufgewertet und durch eine für die Region typische Seilbahn wieder mit der Stadt direkt verbunden werden. Trotz privater Konzerninteressen schien das Projekt Hand und Fuß zu haben und den Bewohnern der Stadt neue Perspektiven zu eröffnen – aber schon bald regte sich Unmut bei den lokalen Geschäftstreibenden.

Photo by Philip Taylor - ptmoney.com

Photo by Philip Taylor – ptmoney.com

Aus Angst ihre Vormachtstellung in Bozen zu verlieren beeilten sich lokale Handelstreibende ein Alternativprojekt zu etablieren – plötzlich und nach Jahren des Stillstandes. Die beinahe Verdoppelung der innerstädtischen Handelsfläche schien ein Dorn im Auge der etablierten lokalen Händler zu sein. Auch der Gemeinderat der Stadt Bozen schien zunächst überfordert. Spät wurden von öffentlicher Seite Richtlinien für die Restrukturierung des zentrumsnahen Stadtviertels festgelegt und kommuniziert: Die neu ausgearbeiteten Richtlinien schienen wohlüberlegt und erforderten die gänzliche Beibehaltung des Bahnhofsparks und damit verbunden eine Eingrenzung von Kubatur und Handelsfläche. Beides kann auch als Sieg der Öffentlichkeit im Kampf gegen Goliath gesehen werden. Gewiss können Projekte in entsprechendem Ausmaß nicht mehr ohne private Investoren gestemmt werden, aber insbesondere die Beibehaltung des Bahnhofsparks, zentraler Treffpunkt und Kommunikationszentrum (noch gibt es dort freies Wifi) für Obdachlose und Asylsuchende, beinhaltet zunächst eine ehrlich (?!) soziale Komponente. Die weitere Entwicklung des Bahnhofsparks, auch in Hinblick auf die Neugestaltung des restlichen Bahnhofgeländes steht allerdings noch in den Sternen. Entsprechende Gedanken wurden in einem früheren Beitrag behandelt.

Als vergangene Woche die Einreichefrist für Projekte verstrichen war, vermeldete die Stadt Bozen, dass beide Kontrahenten ein Projekt eingereicht hatten: Die Erlebnishaus Gesellschaft, ein Konsortium aus lokalen Investoren und auch die Signa Holding des Rene Benko haben teilgenommen und die Karten im Poker um Bozens größtes Restrukturierungsprojekt werden nun neu gemischt. Die Projektpläne können seit gestern hier abgerufen werden und stehen bereit für die neue öffentliche Debatte. Wir werden sehen sehen wer sich durchsetzt und es bleibt zu hoffen, dass auch jene die nicht die Mittel oder das Begehren haben an einer zunehmend konsumorientierten Innenstadt teilzunehmen weiterhin Platz haben. Auch diese Menschen sind hier und Teil der Bozner Bevölkerung!

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