Marrokko// Morocco 2014. Drei Gedanken // Three thoughts.

von Magdalena Kraus, by Michael Anranter 

1. Sprachkenntnisse // Language Skills

Was beim Bereisen des Landes zuallererst auffällt ist die scheinbare Leichtigkeit mit welcher Sprachen unterschiedlichster Abstammung beherrscht werden. Mehrsprachigkeit, die in europäischen Gefilden gerne auch als Gefahr wahrgenommen und interpretiert wird, gehört in Marokko zum Alltag und stellt bei weitem kein Privileg der gebildeten Oberschicht dar. Auch jenseits der großen Zentren, als Beispiel sei das 300 Seelen zählende Berberdorf Tiwadou im Antiatlas genannt, wachsen Kinder mehrsprachig auf: Schon in der Grundschule wird eine der  insgesamt 3 Dialekte  des Berber, das Arabische und Französische gelehrt. Zudem ist je nach Region und Ausbildungsgrad auch Englisch, Spanisch und Italienisch keine Seltenheit. Die Beherrschung vieler Sprachen wird von der überwiegend jungen Bevölkerung als Möglichkeit wahrgenommen um im Tourismus zu arbeiten, der 8-10 % des BIPs des Landes ausmacht, und somit die drittwichtigste Devisenquelle des Landes darstellt. Nicht ohne Grund werden europäischen Besucherinnen und Besuchern in Marrakesch zumeist Alle sic(!) westeuropäischen Sprachen von seinem Gegenüber zur Verfügung gestellt.

When travelling through Morocco one easily recognizes that people talk so many languages with completely different linguistic roots. It is the very same variety of skills which in Europe is somehow referred to as endangering. For people growing up in Morocco it doesn’t seem to be any special speaking at least three different languages: all of them with a different writing and none of them with similar grammatical structures. First children from Morocco (I refer to a 300 people counting village in the remote Anti-Atlas named Tiwadou) learn one out of three distinct Berber dialects, Arabic and French. If they are more privileged and have the possibility to attend school classes also after the first 3 years, students have the opportunity to add English, Italian, and Spanish on their schedules. Language skills are soaked up by Morocco’s young population for working in the tourist sector, the country’s third largest source for currency import. There are reasons why European travelers are likely to be confronted with shopkeepers offering you the possibility to negotiate in all (sic!) western European languages.  

Essaouira_StreetScene2

Schoolboy in Essaouira; Photo: Michael Anranter

 2. Das Berbersein // Be a Berber

Das „Berbersein“ wird abseits der größeren Städte, insbesondere im Süden des Landes, vermehrt betont und fußt auf der Tatsache, dass in Marokko etwa 40% der Bevölkerung in ihrem Ursprung den Berberinnen und Berbern zugeschrieben werden. Die Selbstbezeichnung jener Gruppen beinhaltet eine spannenden Aspekt: die meisten Menschen, die wir trafen, sprachen von sich selbst als „Berber“, wobei der Begriff, geprägt von der griechischen (Fremd-)Bezeichnung bárbaros, in den Hintergrund zu treten scheint. An Stelle der Berberinnen und Berber wird in guten Reiseführern reflektierten Texten und politischen Basisbewegungen die Bezeichnung Amazigh (freier Mann) verwendet. In den Erzählungen der Amazigh-Bevölkerung fand eine Abgrenzung von den Menschen mit arabischen und nomadischen Wurzeln ab. Dennoch sprechen viele von sich als Berber und Berberinnen – etwa aus Gründen post-kolonial-touristischer Vermarktung?!

When heading into the rural areas of Morocco you’ll recognize that most people claim to be Berbers and indeed more than 40% (according to estimations) of the Moroccan inhabitant have such roots. An interesting aspect is that the word “Berber” derives from Greek “barbarós” and implies a lack of culture. Therefore some more reflected publications and guidebooks use Amazigh (free man) instead of Berber and also political grassroots movements do so. In their tales Amazigh claim to be different from Arabs and nomads and create a specific identity. However most people talked about themselves being Berber – probably for postcolonial-touristic self-marketing?!

Marrakesh_DesperateMe

Be a Berber in Djam el Fnaa; Photo: Michael Anranter

3. Männlichkeiten // Masculinities

Des Weiteren im Gedächtnis bleiben Geschlechterverhältnisse: eine starke Präsenz des Männlichen im Öffentlichen Raum einerseits, die gegenseitige Zärtlichkeit andererseits. Händchen haltende Männer, die intime Gesten und Umarmungen austauschen sind keine Seltenheit, gelten sie als Zeichen von männlicher Freundschaft; homosexuelle Handlungen sind hingegen strafbar. Dies scheint ein Paradoxon zu sein, und doch eine Logik zu haben. Zärtlichkeiten, die – laut Reiseführern und Romanen – teilweise auch Geschlechtsverkehr unter Männern beinhalten kann, wird als Zeichen enger Freundschaft zwischen Männern gesehen und ist deswegen mit dem „westlichen“ Konzept der Homosexualität scheinbar unnahbar. Leider war es uns nicht möglich über dieses tabuisierte Thema von den Menschen, denen wie begegneten, mehr zu erfahren. Vielleicht das nächste Mal.

Another stunning fact which remained in both our brains is related to the topic of sexualities: On the one hand masculinities appeared to be much more present in the public on the other hand these masculinities showed notions of what in Europe is still argued to be a more feminine attitude: tenderness. Two men walking hand in hand through the streets of Marrakesh are part of the idea of being friends while homosexuality and homosexual deeds are still under prohibition. It seems to be paradox but still deserves a specific logic. Intimal interactions and sexual practices are part of these relationship between two men but won’t be understood by western concepts of homosexuality. Sadly we’ve to admit that we didn’t have the opportunity to gain a bigger insight to this topic. But some good reads (see below) might be helpful to give you an idea.

Marrakesh_StreetArt

Marrakesh Street Art, Photo: Michael Anranter

 

Für mehr Bilder und einen Ausflug in die Wüste siehe hier.

More pictures can be checked on my flickr.

Recommended writings:

Mahi Binebine: Die Engel von Sidi Moumen

Tahar Ben Jelloun: Das Schweigen des Lichts // The Blinding Absence of Light

Some older travel reports can be found here: The Balkans and VietNam

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s