Konsumsicherheit mit Schmunzeln

Fröhlich, zumindest einigermaßen, wurde ich heute mit einer Situation konfrontiert  bei der ich etwas Besonderes gelernt habe. Ich habe gelernt froh zu sein über die pure Anwesenheit eines Menschen den ich zuvor nicht kannte und mit dem ich vielleicht nichts, außer gemeinsamen 2 Minuten des heutigen Nachmittags, teile. Ich wollte mein Fahrrad an einer mit Milchglas getrübten Scheibe abstellen, eine belegte Rex-Semmel beim Billa ums Eck hohlen, als ein maßlos erzürnter Ladenbesitzer mir (zumindest gefühlt) den Garaus machen wollte. „Des is net dein Eanst? Du Oaschloch, du Hurensohn“ flog mir um die Ohren – plötzlich stand der  Typ aus dem Tattoo-Studio unmittelbar vor mir und ballte seine Faust. Ich war recht perplex; selten zuvor wurde ich auf derartige Weiße und mit angedrohter Gewalt davon abgehalten mein Fahrrad abzustellen.

Egal; die Situation ebbte ab, ich fand meine Sprache wieder und konnte gemeinsam mit einem anderen Mitbürger schmunzeln. Ich konnte nur schmunzeln – wir sprachen die Sprache des jeweils anderen nicht. Erneut musste ich auf diese eigentlich so wichtige Kommunikationsform verzichten und widmete mich dem Kauf einer Wurstsemmel.

Später…

Da stand ich, mit meiner Wurstsemmel in der Hand, kaufte ihm noch eine Zeitung ab und schmunzelte erneut. Nur er; keine Polizei, kein anderer Mitbürger, keine andere Mitbürgerin, und schon gar nicht der aggressive Tattoo-Shop Mitarbeiter/Besitzer konnten mir besser ein Gefühl von Sicherheit in dieser Situation geben. Klar, es war Zufall werden die einen sagen  –  aber das ist wohl zu kurz gedacht. Für ihn, den Zeitungsverkäufer war es kein Zufall dass er da steht wo er steht. Er hat mehr als seine Arbeit gemacht und hat so wie auch viele seiner Kollegen und Kolleginnen zur öffentlichen Sicherheit maßgeblich beigetragen. Eine Form von Sicherheit die allzu oft in der neoliberalen Stadtforschung und Planung (z.B. in Bozen) vergessen wird. Das ist die andere Form der Sicherheit beim Konsum. Für mich war es eine relevante. Für den Billa auch – sonst hättens‘ heute wohl eine Rex-Semmel weniger verkauft.

Bildnachweis:

William Paralla (1912): „Photograph of a 7-years old newsboy“, U.S. Archive, URL: http://goo.gl/vIffrR

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