Physische Räume – Macht der Architektur

Physische Räume – Macht der Architektur

Neulich fand ich auf Twitter entsprechende Nachricht von @Opensociety: „American Institute of Architects: Prohibit the design of spaces for torture or killing http://osf.to/VzktG7  #humanrights

Ich folgte dem Link und setzte mich mit dem Thema kurzzeitig auseinander. Die Vereinigung Architects/Designers/Planners for Social Responsibility hatte eine Petition an das American Institute of Architects verfasst, die das Konstruieren von Räumen, in welchen Menschen gefoltert und deren grundlegenden Rechte missachtet werden, aus ethischen Gründen verboten werden soll.

In den Kommentaren zum entsprechenden Link  fand ich einen interessanten Beitrag eines Studenten „I currently study architecture, and am very concerned with the social justice dimension of architectural practice. I am glad attention is being given to this issue. I wholly support this cause.“ 


Der Beitrag, aber auch die Petition an sich bringen zum Ausdruck wie wichtig physische Gegenstände sind, um Trennungen in der Gesellschaft vornehmen zu können. Die Frage ist – was ist ein Gefängnis? Und was ist Folter?

Wer den Kontext etwas erweitert und die Begriffe Gewalt und Folter weiter fasst, stellt fest, dass nicht nur das Gefängnis per se, sondern auch andere Arten baulicher Maßnahmen eine entsprechende Konnotation bei den „gefangenen“ Personen hervorrufen. Ich denke an Slums, an Ghettos, an Mauern vor Siedlungen – an Räume der Trennung im städtischen Lebensalltag.

Der Begriff der Folter hingegen ist hingegen klar definiert, spricht von Strafmaßnahmen zur Erzwingung von bestimmten, oft vorher festgelegten Aussagen. Aber Folter, wie auch Tod(esstrafe) sind nur ein kleiner Teil vieler menschenverachtender Praktiken die bewusst, als auch unbewusst ausgeübt werden – auch mit Hilfe von physischen Elementen im Siedlungs-, oder Städtebau.

Der Bau von Gefängnissen ist eine politische Entscheidung von Seite einer Gesellschaft, die sich für bestimmte Strukturen entscheidet und auch über die Maßnahmen beim Verstoß gegen Regeln bestimmt. Dass Folter und herbeigeführter Tod in Gefängnissen nicht vorkommen sollten ist eine Auffassung die ich selbst teile.

Dennoch: Problematisch ist m.M. nicht das Errichten spezifischer Einrichtungen, sondern vielmehr das Schaffen physischer Hürden mit Hilfe von Architektur und Stadtplanung. Segregierte Gesellschaften mit marginalisierten Gesellschaftsschichten können nur schwer die Legitimation eines demokratischen Ganzen haben.

Eine Petition soll und kann ein Anfang sein, um die schwerwiegendsten Beispiele der Planung und Konstruktion von Räumen zu  hinterfragen. Wichtig ist aber den Anspruch weiter zu fassen und neben einzelnen Strukturen weiter das Gemeinschaftliche in die eigenen Visionen zu implementieren.

2 Kommentare

  1. Andrea W.

    Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die physische Räume erstellen und planen zwar sicherlich nicht immer zu 100% wissen, was/wie dort passieren wird. Dennoch sehe ich die Petition als einen interessanten Hinweis dafür, dass das Ablegen von Verantwortung für das Konstruierte (in jedem Sinne) nicht leichtfertig passieren kann. Die Aufgabe und Verantwortung von Planner_innen von Architektur mitzudenken bei gegenwärtigen Fragestellungen der Sozialwissenschafften erscheint mir richtig und notwendig, allgemeiner kann das auch ein Hinweis sein auf die erhöhte Notwendigkeit inter- und transdisziplinärer wissenschaftlicher Arbeit. Im Artikel wurden „Räume der Trennung im städtischen Lebensalltag“ angesprochen, dazu hier http://www.uibk.ac.at/geographie/personal/borsdorf/pdfs/borsdorf_hid.pdf ein sehr interessanter und lesenswerter Artikel von Axel Borsdorf (Uni Innsbruck) und Rodrigo Hidalgo Dattwyler (Santiago de Chile) mit dem Titel:VOM BARRIO CERRADO ZUR CIUDAD VALLADA. Neue Dimensionen der sozialen und funktionalen Exklusion in Santiago de Chile. Chile, das neoliberale Muster- und Exempelland, weist den höchsten Gini Koeffizienten (Ungleichheitsindikator) der OECD Länder auf.

  2. stadtgeselle

    Liebe Andrea,

    vielen Dank erstmal für deinen Kommentar – ich weiß es sehr zu schätzen, wenn LeserInnen ihre Gedanken mit mir teilen.

    Ich stimme dir zu in Bezug auf die Ausweitung transdiziplinärer Kooperation, um physische nicht nur nicht neu enstehen zu lassen, sondern vielmehr auch abzubauen, zu. Die Rolle der Politik, bzw. die Frage nach dem Willen entsprechende Hürden abzubauen sei hierbei erst einmal dahingestellt.

    Allerdings gibt es m.M. nach einen weiteren Aspekt der nicht aus den Augen verloren werden darf. Wenn man berücksichtigt wo derzeit die größten städtebaulichen Restrukturierungsmaßnahmen von Statten gehen, sollten sich ArchitektInnen, sowie auch AnthropologInnen und VertreterInnen anderer Wissenschaften die Frage nach dem eigenem Background und der eigenen Schule stellen: Europäische und Amerikanische ArchitektInnen, StadtplanerInnen, ecc. planen und gestalten physisch existierende Räume auf Kontinenten und in Gesellschaften, deren Kern ihnen oft nur schwer zugänglich ist. Physische Hürden können in der Folge nicht verglichen werden, da die Perzeption der Selbigen von den in eine bestimme Gesellschaft eingebettete Menschen entscheidend ist.

    Wie kann ich beurteilen was in einer anderen Gesellschaft als physische Hürde gedeutet wird – ein somit menschenverachtender Raum ist. Die Grundfeste bestimmter Rechtsgrundsätze können auf diese Art und Weiße ebenso in Frage gestellt werden, wie auch die Konstruktion von Räumlichkeiten, die das Ziel der Trennung und Segregation verfolgen.

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